Birgit Spies
Helga-Linda Beyerle-Müller, die am Freitag durch die aus Kamerun stammende Liturgie führte, bat in der Stephanskirche jene zu sich nach vorn, die beim ersten Weltgebetstag der Frauen in Nebringen mit Karin Hudelmayer vor 45 Jahren auch dabei waren. Es kamen: die damalige Kindergärtnerin Heidi Breitmaier, Friedel Egeler, Anne Ihring und Hilda Maier. Noch nicht so viel Courage wie heute hatten Frauen zu jener Zeit.
Auch wurde damals die Ökumene noch nicht so groß geschrieben wie heute, weshalb dieser Gottesdienst am 5. März 1965 etwas Besonderes war, verdeutlichte Helga-Linda Beyerle-Müller. Eine Anstecknadel mit dem Kreuz des Weltgebetstages heftete sie den vier Pionierinnen der Kirchengemeinde Nebringen an das Revers. Alle Teilnehmer des Nebringer Gottesdienstes hatten davor das Lied angestimmt, das auch am ersten Weltgebetstag in der Gemeinde gesungen worden war: "Der Tag ist um".
Afrika im Kleinen ist Kamerun. Alles, was den Kontinent auszeichne, habe dieses Land auch zu bieten: Flüsse, Wüsten, Berge, Regenwälder und Savannen. Auch darüber informierte der Gottesdienst, an dessen Beginn die Nebringerinnen je eine Kerze für die fünf Kontinente der Erde und ihre Menschen entzündeten.
Mit viel Liebe, mit Batikstoffen und Kunsthandwerksarbeiten aus Afrika, mit Schmuck an Kirchenbänken und Portalen, festlich ausgestattet erschien das Gotteshaus am Weltgebetstag. Karten und Bücher mit landeskundlichen Informationen über Kamerun waren darin ausgestellt. Wer den Kirchenraum am Abend betrat, sah viel Rot.
In Batikkleider und Tunikas gewandet waren die etwa zehn Frauen, die mit Gesang, Trommeln, Gitarrenmusik und Tänzen durch die Liturgie führten. Einheitliche rote Tücher trugen sie über ihrer Kleidung, die Farbe, die in Kamerun besonderen Anlässen vorbehalten ist. "Entdecken wir die Afrikanerin in uns", schlug Helga-Linda Beyerle-Müller vor und lud Frauen und auch einige Männer in der Stephanskirche zu einem fröhlichen Gottesdienst voll Musik und Bewegung ein. In seinem Mittelpunkt stand Psalm 150: "Alles, was Atem hat, lobe Gott" - das Motto, das die Kamerunerinnen für diesen Tag ausgewählt hatten.
Lichtbilder an der Wand illustrierten, was sie durch die Liturgie über ihr Land mitteilen ließen, zeigten den Alltag mit Schulen und einem Altenheim, das die Kirchen dort bauten. Und ebenso eine Schreinerei und Schneiderwerkstätten. Für sie bestimmt sein soll das Geld aus der Kollekte. 383 Euro kamen in Nebringen zusammen - eingesammelt wurden sie auf ganz ungewöhnliche Weise. Wie schon bei ihrem Einzug am Beginn des Gottesdienstes trugen singende Tänzerinnen die kleinen Körbe auf ihrem Kopf. Ein ausgelassener Tanz folgte auf diese Zeremonie. Ein weiterer Höhepunkt war das Schuldbekenntnis mit symbolischer Handlung. Gut gelang allen Frauen die Inszenierung, begleitet von Djembe-Trommeln und mit Gitarren. Von Reine Claire Nkombo stammt das Gemälde für den Weltgebetstag. Nach oben ganz offen, drängen sich Menschen und Tiere in seiner unteren Hälfte. Nicht das "Ich" spiele die entscheidende Rolle in Kamerun, sondern das "Wir", wie in der Stephanskirche zu erfahren war . Ein großer Reigen mit allen Besuchern des Gottesdienstes um die Bankreihen herum und ein "Ständerling", der zum Plausch einlud, beendete diesen Jubiläumsgebetstag.